Nicht sprechen, nicht schweigen
Die Metaphern entgrenzt
Die Synonyme umstellt
In einer Luft
In der nichts Neues liegt
Gibt sich der Tag
Keinen Namen.
Die Metaphern entgrenzt
Die Synonyme umstellt
In einer Luft
In der nichts Neues liegt
Gibt sich der Tag
Keinen Namen.
Zieh eine Karte, zieh einen Mund
Sprich mich nicht still
Splitter Lächelsynonym
In sturmgewachtes Auge -
Versuch dich an mir.
Erstaunlich, wie das Wort ins Vergangene stürzt, sich nicht mehr greifen lässt, wie jede Pore durchdrungen ist, eine kindlich glückliche Bühne, die das Ich nicht erkennt. Der Vorhang faltet sich in dein Schweigen, in die Stille deines Gesichts, und dieser Tag schwimmt hinaus, um zurückzukehren an einen Ort, der vielleicht Heimat heißt.
Wenn Wimpernerinnerung erzählt von dem, was wir sein werden, wenn das, was wir beweisen könnten, widerlegt ist vor dem ersten Atemzug, wenn kein Zorn zwischen uns steht, dort, wo wir sind, dann will ich mich beugen unter der Last der Geborgenheit.
Auf den flachen Stufen vor der Paris Bar erblickte Richard Schindler eine kleine, gekrümmt sitzende Gestalt, die, eine Sonnenbrille tragend, in die Sonne blinzelte. Wenn der heutige Tag bestanden war, würde er die S-Bahn zur Krummen Lanke nehmen, um im Schlachtensee zu baden. In der letzten Woche, bevor er in das Computerprogramm geraten war, hatte er diese elysischen Gefilde bereits erkundet. Alessandro Barricos Seta lesend hatte sich Richard, umgeben von nackten Göttinnen mit wogenden Brüsten und muskulösen Helden im wehenden Gras, am Ufer des Sees gesonnt. Man würde ihm die Pforten des Elysiums doch wohl zum zweiten Mal öffnen, wenn er nur tapfer und besonnen blieb! Der mickrige Mann vor der Bar war asiatischer Herkunft, seine ölige Gesichtshaut glänzte gelb-golden im Morgenlicht. Er trug eine dicke Daunenjacke, warme Cordhosen, massive, unverschnürte Wanderstiefel und eine löchrige Wollmütze, die er tief über seine Ohren gezogen hatte. Richard eröffnete sich eine neue Chance, seine Reinheit und Erhabenheit dem Bösen gegenüber unter Beweis zu stellen. Er hatte seinen Meister, den Samurai, gefunden. Bei ihm würde er nun in die Lehre gehen, notfalls jahrelang durch die Welt ziehen, um den höchsten Grad geistiger Klarheit zu erreichen.
Richard Schindler ließ sich zu Füßen des Samurais nieder. Er wusste, dass es Monate dauern könnte, bis der Meister ihn erhören und als Schüler akzeptieren würde. So schwieg er vorerst und beäugte den weisen Mann, der offenkundig in einer tiefen Morgenmeditation steckte. (Kompletten Artikel lesen…)
Kurz nach Sonnenaufgang war Richard Schindler dem feindseligen Domizil entkommen, wo er eine schlaflose Nacht verbracht hatte. Vor dem Eingang des zur letzten Jahrhundertwende gebauten Hauses waren ihm noch drei Gegner aufgelauert; Kämpfer, die dem mächtigen Kartell der Skinheads vom Savignyplatz angehörten. Sie huschten, von ihrem diabolischen Anführer, dem Jugoslawen Mirsad, angetrieben, in die vordere Hälfte der Zwillingskneipen an der Kantstraße. Im schwarz gestrichenen Teil der Doppelhaushälfte trafen sich die Schlägertrupps des Jugoslawen, während der in hellen Farbtönen gestaltete, vom warmen Licht der allmählich aufgehenden Sonne bestrahlte, hintere Part des zweistöckigen Hauses in erster Linie als Treffpunkt für karibische Einwanderer, aber auch für Studenten, diente. Im Schwarzen Café versammelten sich also diejenigen unter den Charlottenburgern, die, der Gewalt zugetan, einen abgründigen Hass auf alles Andersartige entwickelt hatten, wohingegen die Subjekte ihrer Verachtung gleich hinter der dünnen Häuserwand, keine zwei Meter entfernt ihre Cafés und Cocktails tranken.
Zwischen beiden Kneipen schien ein schmaler Grat zu verlaufen, so kam es Richard vor, als er, beschimpft von den Skinheads, die Straße entlang lief. Ein magnetischer Sog ging von den Etablissements aus, der ihn dazu bewegte, sich zuerst im karibischen und dann im Schwarzen Café niederzulassen. Doch er konnte keine Ruhe finden, so dass er vor der Fassade des Hauses auf und ab lief, den schmalen Grat wieder und wieder überquerend. (Kompletten Artikel lesen…)
In der dunklen Wohnung klingt das Klappern meines Schlüssels nach, als ich ihn auf den Küchentisch werfe. Die Haustür schnappt mit einem Klapp zu, es muss so gegen elf sein, draußen röhren Polizeiautos im schillerndem Blaulicht vorbei. Ansonsten ist es still, bis er im Sessel am Fenster nebenan an einer Bierflasche nippt. Ich horche auf und mache einen Schritt in den schummerigen Flur zurück. Es gluckert unangenehm in seinem Rachen, Schluckgeräusche mag ich nicht. Es klingt genauso widerlich wie das Schmatzen beim Umrühren in einer Nudelsalatschüssel.
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Einmal lud meine Großmutter einen thailändischen Hermaphroditen zu sich ein. Dem Großvater war das nicht so recht und als der Hermaphrodit aus Thailand an einem heißen Julitag tatsächlich in einem blütenweißen langen Gewand bei meinen Großeltern in der Eifel aufkreuzte, blieb Großvater folgerichtig in seinem Sessel sitzen und hob zum Gruße bloß seine Finger eine Handbreit von der Armlehne seines Sessels ab, als sei selbst das für ihn eine Qual (Kompletten Artikel lesen…)
…und es ward Friede auf Erden, sagte der Nachbar an jenem Morgen, als Richard Schindler das Haus verließ. Die Straße war mit einer dicken Schneeschicht bedeckt, Flocken wehten um die Baumwipfel und um seine Mütze. Es sind die kleinen Zeichen, die wir sehen müssen, um weiter zu kommen. Mit einem Mal summieren sie sich zu einem gewaltigen, nicht zu leugnenden Zeichen, das größer ist als alles andere, was wir bisher sahen, dachte Richard Schindler während er die Bäckerei betrat. Hier arbeitete eine ältere Frau, die ihm gegenüber einmal von der schweren Erkrankung ihres Mannes gesprochen und dabei Tränen in den Augenwinkeln gehabt hatte. Ihr Ehemann, mit dem sie seit über dreißig Jahren verheiratet war, hatte eines Tages einen Schlaganfall bekommen, seitdem war alles anders. Sie musste ihn pflegen. Tagsüber gab sie ihn, um weiterhin Geld in der kleinen Bäckerei verdienen zu können, in die Tagespflege, wo sie ihn nach Schichtende immer wieder abholte, um ihn nach Hause zu fahren und in den alten Sessel zu setzen, den er so liebte, wie sie sagte. Schindler mochte es nicht, wenn er diese Verkäuferin beim Brotkauf antraf, weil sie ihm stets ein Gefühl der Schuldigkeit vermittelte. (Kompletten Artikel lesen…)
Als ich einmal starb, erkannte ich den wahren Quell des Lebens, der im Tode liegen muss. Im Tode verbirgt sich alle Weisheit, alle Macht und all das Geheimwissen, nach dem die Gelehrten seit Jahr und Tag auf der Suche sind. Allein finden sie es nicht, weil sie zu strebsam, fleißig, gelehrsam sind. Sie gehen kaum noch in sich, die Gelehrten von heute. Sie absorbieren den Lebensstil der Zerstreuung und tragen die Reste ihrer Metaphysik in große, Bier enthaltende Gläser. Acht oder zwölf Stunden lang lehren und schreiben sie: sie schreiben ab, und vermeiden jeden eigenständigen Gedanken. Sind es doch diese Gedanken, die die größte Gefahr darstellen. Wer es wagt, selbst zu denken, der ist dem Tode geweiht. (Kompletten Artikel lesen…)